«Worte des Vorsitzenden» – Das rote Büchlein Maos


Es wurde milliardenfach gelesen und hat Tausenden das Leben gekostet. Gedacht als Ratgeber für ein glückliches Leben wurde es zu einem Symbol für eine schrecklich verfehlte Politik und zum Spielball verfänglicher Interpretationen … Das kleine rote Büchlein «Worte des vorsitzenden» Mao Zedong (deutsch: Mao Tsetung).

Mao war ein Anhänger des Marxismus-Leninismus. Seine Schreckensherrschaft trieb zwischen 1959 und 1961, während des «Grossen Sprungs nach vorn» Millionen Menschen in den Hungertod. Schätzungen zufolge waren es zwischen 30 und 45 Millionen. 1965 verfasste er seine Ideen in diesem kleinen roten Buch, das «simple Lösungen für schwierige Probleme anbietet», wie es Artur K. Vogel im Bund vom 28. Dezember 2013 (Himmlischer Frieden für Massenmörder) formulierte. Mit diesem Buch in der Hand und mit dessen Leitsätzen in Megafone brüllend und auf Wände gemalen hielten sich die Jungen Anhänger, bekannt als «Rote Garden», für berechtigt, in der Zeit der Kulturrevolution (1966-76) zu randalieren, zu demolieren, zu verwüsten, zu vernichten und zu richten. Ausgelöst durch Maos Worte «Die Rebellion ist berechtigt». Er predigte einen schmucklosen, strengen proletarischen Lebensstil (während er selber in Luxus schwamm und Millionen anhäufte). Alles was modern, nobel, wertvoll oder luxurios anmutete wurde als dekatent bürgerlich abgelehnt. Museen wurden geplündert, Gemälde und Bücher verbrannt, Paläste und Tempel zerschlagen. Teehäuser wurden geschlossen, weil man in ihnen Orte des Müssiggangs sah. Zu richten über Eliten, Besitzende, Kulturschaffende und Intellektuelle, die ziellos und willkürlich aus teils blinder Gefolgschaft, teils aufgrund erzwungener Geständnisse als «Konterrevolutionäre» oder «Reaktionäre bürgerliche Autoritäten» gebrandmarkt wurden, und deren Leben, Werke und Besitz plötzlich nichts mehr galten. Besonders Lehrer waren begehrte Ziele ihrer Schülerinnen und Schüler, da sie in der chinesischen Kultur im Vergleich zu den Eltern die wichtigeren Autoritätspersonen waren.

In Jung Changs faszinierendem Buch „Wilde Schwäne“, das die Wahre Geschichte von drei Generationen in China autobiografisch erzählt, liest sich das zum Beispiel so:

«Um diese Zeit herum spielten »Anklageversammlungen« eine immer grössere Rolle. Die Rotgardisten aus meiner Klasse forderten mich einmal auf, an einer solchen Versammlung teilzunehmen. Ich bekam panische Angst, und trotz der heissen Nachmittagssonne war mir kalt, als ich das runde Dutzend Lehrer mit gesenkten Köpfen und gefesselt in der sogenannten »Flugzeugstellung« auf der Tribüne des Sportplatzes stehen sah. Dann zwang man einige in die Knie, indem man ihnen von hinten in die Kniekehle schlug. Andere zerrte man auf schmale, lange Bänke ohne Rückenlehne. Mein Englischlehrer war ein älterer Mann mit feinen, vornehmen Manieren eines Gentlemans alter Schule. Er kletterte auf eine Bank, konnte aber das Gleichgewicht nicht halten. Er fiel herunter und schlug mit der Stirn an der scharfen Kante der Bank auf. Ein neben ihm stehender Rotgardist beugte sich instinktiv zu ihm hinunter und wollte ihm aufhelfen. Aber im nächsten Augenblick hatte er sich wieder gefangen, richtete sich auf, gab sich übertrieben schroff und ballte die Fäuste. Dann schrie er: »Zurück auf die Bank! Aber schnell!« Er wollte sich unter keinen Umständen vor dem »Klassenfeind« eine Blösse geben. Meinem Lehrer lief das Blut von der Stirn und trocknete auf der linken Gesichtshälfte.

Den Lehrern wurden völlig abstruse Verbrechen vorgeworfen, aber in Wahrheit wurden sie angegriffen, weil sie höhe Ränge hatten und zu den Besten in ihrem Beruf gehörten, manche Schüler handelten aus persönlichen Rachegelüsten.»

Doch was stand überhaupt in diesem roten Büchlein? Es war unter anderem ein Aufruf zum Klassenkampf, denn Mao fürchtete sich vor nichts mehr als starken, intelligenten Personen, die ihm selber als Machthaber gefährlich werden konnten. Sein Credo war, das Volk ungebildete und dumm zu halten, so würde es keinem gelingen, ihm das Wasser zu reichen. Und es war auch ein So stand da zum Beispiel:

«Die demokratische Diktatur des Volkes braucht die Führung durch die Arbeiterklasse; denn die Arbeiterklasse ist am weitsichtigsten und selbstlosesten, sie ist am konsequentesten revolutionär. Die ganze Geschichte der Revolution zeugt davon, dass die Revolution zum Scheitern verurteilt ist, wenn sie nicht von der Arbeiterklasse geführt wird, dass sie aber unter  Führung der Arbeiterklasse siegreich ist.»

«Wir müssen bescheiden und umsichtig sein, uns vor Überheblichkeit und Unbesonnenheit in acht nehmen und mit Leib und Seele dem chinesischen Volke dienen …»

Und natürlich stand die Kommunistische Partei (KP) im Zentrum:

«Die ideologische Erziehung ist das zentrale Kettenglied, das wir ergreifen müssen, um die ganze Partei für die grossen Politischen Kämpfe zusammenzuschliessen. Wird diese Aufgabe nicht gelöst, dann kann keine einzige der politischen Aufgaben der Partei erfüllt werden.»

Ein besonders schreckliches Beispiel für die Ausmasse der Kulturrevolution und Gräueltaten der Roten Garden finden Sie hier: Der seine Mutter verriet (Bund.ch/Newsnetz)

Worte des Vorsitzenden Mao Zedong

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